16. Mai 2017

Neues Programm soll Ausbildungsabbrüche verhindern

cutout of cut_out_asset_10091.jpg

Tischlermeister Joachim Lilie (l.) ist mit seinem Lehrling Ahmad Adi aus Syrien zufrieden. Er nimmt am Förderprogramm ZaA teil.

Das Programm „Zukunftschance assistierte Ausbildung“ unterstützt Betriebe und Lehrlinge bei Problemen in der Ausbildung.

Aller Anfang ist schwer, lautet eine alte Weisheit. Doch für manche ist der Anfang noch schwieriger, und leichter wird es mit der Zeit nicht. Das trifft auch auf einen Teil der Auszubildenden zu. Im schlimmsten Fall folgt der Ausbildungsabbruch. Das Landesprogramm „Zukunftschance assistierte Ausbildung“ – kurz: ZaA – unterstützt Lehrlinge und Betriebe in Sachsen-Anhalt, um genau das zu verhindern.

Im vergangenen Jahr startete das Förderprogramm für junge Menschen, die sich in einer dualen Ausbildung befinden. Rund 200 Auszubildende im Land nehmen ZaA in Anspruch. „Oft gibt es Probleme beim Unterrichtsstoff in der Berufsschule“, sagt Astrid Birke, die in der Handwerkskammer Halle das Programm ZaA betreut. „Betriebe bilden immer öfter Azubis aus, die keinen Schulabschluss haben. Da kommen einige in der Berufsschule nicht hinterher.“ Aber auch der soziale und familiäre Hintergrund eines Lehrlings kann dazu führen, dass ein Ausbildungsfortschritt auf sich warten lässt.

Hürden im Arbeitsalltag überwinden

Joachim Lilie nimmt am ZaA-Programm teil. Der 32-jährige Tischlermeister führt seit drei Jahren seine eigene Tischlerei in Halle (Saale). Einer der beiden Lehrlinge ist Ahmad Adi, der aus Syrien stammt und unbedingt Tischler werden möchte. Er erhält Unterstützung durch das Förderprogramm.

Der Weg bis zum jetzigen Ausbildungsverhältnis war für Ahmad Adi kein leichter. Vor allem Sprachschwierigkeiten musste er zunächst überwinden. Der Syrer lernte Peter Hoffrichter von der Handwerkskammer kennen, der ihn bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz tatkräftig unterstützte. Hoffrichter rief im vergangenen Sommer bei Lilie an. „Er fragte mich, ob ich noch einen Auszubildenden suche und ob ich mir vorstellen könnte, einen Migranten als Lehrling aufzunehmen“, so der Tischlermeister. Wenige Wochen später begann Adi seine Ausbildung bei Lilie.

Der neue Lehrling muss einige Hürden im Arbeitsalltag überwinden. „Gerade die Fachsprache bereitet Probleme und von Lernstrategien, wie wir sie aus der Schule kennen, weiß Ahmad noch nichts“, sagt Lilie. Grund genug für den Betriebsinhaber, das Förderprogramm ZaA in Anspruch zu nehmen.

Kammer stellt für Betrieb Förderantrag

Bei Problemen in der Ausbildung kann sich ein Unternehmen an die Handwerkskammer wenden. „Ich stelle dem Betrieb das Förderprogramm ZaA dann vor“, sagt Birke. Sind Betrieb und Azubi mit der Teilnahme einverstanden, geht es in der Regel ganz fix. Die Kammer kontaktiert die Berufsberater der zuständigen Arbeitsagentur, gibt Auskunft über die Situation und stellt einen Förderantrag. „Die Berater melden sich spätestens nach vier Tagen zurück“, so Birke. Wird ein Antrag genehmigt, sucht die Arbeitsagentur den Kontakt zu einem regionalen Bildungsträger. Bei diesem erhalten die Lehrlinge Stützunterricht. Auch Sozialpädagogen stehen den jungen Menschen zur Seite, versuchen bei persönlichen Problemen zu helfen und begleiten sie bei Behördengängen.

Ahmad Adi erhält Fach- und Sprachunterricht beim Bildungsträger FAW Halle. „Wir sind im Unterricht oft zu dritt, manchmal bin ich auch allein“, erzählt der Syrer. Genau das sei der Ansatz von ZaA, ergänzt Astrid Birke: „Eine individuelle Betreuung in Kleinstgruppen macht ZaA aus. Dadurch soll garantiert werden, dass die Azubis ihren Abschluss schaffen.“

Der Bildungsträger hält zugleich Kontakt mit dem Betrieb. Durch die enge Betreuung soll geprüft werden, ob die Maßnahmen greifen. Auch Joachim Lilie erhält regelmäßig Besuch von einem Ansprechpartner des Bildungsträgers, der Adi betreut. „Das ist gut“, resümiert der Tischlermeister.

Ein Betrieb, der am ZaA-Programm teilnimmt, profitiert zusätzlich. „Ausbildungsverantwortliche können Coachingangebote kostenfrei nutzen, um ihre Handlungsfähigkeit zu erweitern und den steigenden Ansprüche in der Ausbildung gerecht zu werden“, so Birke. Die Kammerkoordinierung „Zukunftschance assistierte Ausbildung“ wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes Sachsen-Anhalt gefördert und ist ein Projekt innerhalb des gemeinsamen Landesprogramms „Zukunftschance assistierte Ausbildung“ des Landes Sachsen-Anhalt und der Bundesagentur für Arbeit.

aus der DHZ 8/2017

Sie haben Fragen zu ZaA? Dann melden Sie sich bitte bei:

Astrid Birke
Astrid Birke
Kammerkoordinatorin ZaA
0345 2999-211
abirke@hwkhalle.de
Anschrift:
Handwerkskammer Halle (Saale) - Hauptsitz
Gräfestraße 24 ,
06110 Halle (Saale)

Telefax: 0345 2999-301
 
Nach oben