Handels- und Gesellschaftsrecht

Auf der Webseite erläutern wir die Grundbegriffe des Handels- und Gesellschaftsrechtes: 

  • Kaufmannsbegriff
  • Rechtsfolgen der Kaufmannseigenschaft
  • Kaufmann auf Antrag
  • Kosten 
  • Die Bedeutung der „Firma“
  • Rechtsformen von Unternehmen


Wer ist „Kaufmann“?

Kaufmann ist, wer im Handelsregister (beim zuständigen Amtsgericht) eingetragen ist. Handwerker sind „automatisch“ – auch ohne Eintrag im Handelsregister – Kaufleute, wenn ihr Betrieb einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert. Dies wird gem. § 1 II des Handelsgesetzbuches (HGB) vermutet. Sie unterfallen dann den Vorschriften des HGB und sind zum Eintrag ins Handelsregister verpflichtet.

 

Ob ein kaufmännisch eingerichteter Geschäftsbetriebes vorliegt, kann durch die Berater der Handwerkskammer ermittelt werden.

 

 

Welche Folgen hat die Kaufmannseigenschaft?

Handwerkern, die nach dem HGB auch Kaufleute sind, werden – im Vergleich zu  Nichtkaufleuten - schärfere Pflichten auferlegt. So verlangt das HGB beim Handelskauf die sofortige Untersuchung der gelieferten Ware und Rüge von Mängeln. Andernfalls droht gemäß § 377 HGB der Gewährleistungsverlust. Auf Geschäftsbriefen (Angebote, Bestellscheine, Telefax, E-Mail u.ä.) müssen bestimmte Angaben des Unternehmens erkennbar sein, so beispielsweise die Firma (Name des Unternehmens), die Rechtsform, die Geschäftsadresse und die Handelsregisternummer des Unternehmens. 

 


Kaufmann auf Antrag

Kleingewerbetreibende, auch Handwerker, die keinen „nach Art und Umfang in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb“ haben, können sich – selbst bei geringem Jahresumsatz – freiwillig auf Antrag ins Handelsregister eintragen lassen und damit zum Vollkaufmann werden. Dies kann vorteilhaft sein, wenn man etwa einen gewissen Namensschutz für das Unternehmen aufgrund der Handelsregistereintragung begehrt.

 


Welche Kosten entstehen?

Die Gebühr zur Eintragung eines Einzelkaufmannes in das Handelsregister beträgt 84 Euro. Die Eintragung einer OHG mit zwei Gesellschaftern kostet 108 Euro, 132 Euro bei drei und 162 Euro bei vier. Bei Eintragung einer KG richten sich die Kosten der Eintragung nach der Höhe der Kommanditeinlage(n) und der Anzahl der persönlich haftenden Gesellschafter. Sie betragen z.B. bei 50.000 Euro Stammeinlage und drei Komplementären 528 Euro.

 

 

Was bedeutet „Firma“?

Nicht jeder Handwerker ist eine „Firma“. Firma ist der Name, unter welchem ein Unternehmen im Handelsregister eingetragen ist. Dagegen sind nicht ins Handelsregister eingetragene Gewerbetreibende und BGB-Gesellschaften nicht berechtigt, eine Firma zu führen. Sie müssen im Verkehr mit ihren Familien- und Vornamen bzw. den Namen aller Gesellschafter auftreten. Es wird ihnen aber zugestanden, Zusätze, sofern sie den Gegenstand ihres Unternehmens kennzeichnen (Geschäftsbezeichnungen, z.B. „Peter Müller Baubetrieb“), zu verwenden. Ebenfalls möglich sind sogenannte Etablissementbezeichnungen z.B. „Zur Linde, Inhaber Karl Müller“, solange diese nicht den Eindruck eines vollkaufmännischen Betriebes hervorrufen. Beispiele: „GR Heizungsbau (Gustav Röhrig)“ oder „Fliesenlegerfachbetrieb Werner Platte“, „Dental-Tech (Luise Spange)“.

Rechtsformen von Unternehmen
(bitte auf den jeweiligen Begriff klicken, um weiterzulesen)

Bei der Suche nach der zweckmäßigsten Unternehmensform sind Kriterien zu beachten wie z.B. Anzahl der Partner und deren Rolle im Unternehmen (bloße Geldgeber oder des aktive Mitunternehmer), Finanzierungs- und Haftungsbeschränkungsmöglichkeiten u. a.

Einzelunternehmen ist die beliebteste Unternehmensform, weil unkomplizierteste Variante für Kleingewerbetreibende im Handwerk. Lästige Gründungsformalitäten (Gesellschaftsvertrag, Notartermine usw.) werden dem Einzelunternehmer erspart. Das Einzelunternehmen entsteht automatisch, wenn ein Geschäft eröffnet und Gewerbe angemeldet wird, auch ohne Eintrag im Handelsregister. Stammkapital ist nicht notwendig. Aber: der Inhaber haftet unbeschränkt persönlich.

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Einzelunternehmen, das in das Handelsregister eingetragen ist und den Zusatz e.K. oder e.Kfm. (eingetragener Kaufmann). Gründung und Anmeldung zum Handelsregister erfolgt in notarieller Form.

 

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Die GbR entsteht, wenn mindestens zwei Personen einen Gesellschaftsvertrag abschließen. Die Vorteile der GbR sind weitgehend identisch mit dem Einzelunternehmen: einfache Gründung, kein Stammkapital nötig. Wesentlichster Nachteil: volle gesamtschuldnerische Haftung der Gesellschafter.

 

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Die offene Handelsgesellschaft – das kaufmännische Pendant zur GbR – gilt als die klassische Rechtsform für größere („vollkaufmännisch geführte“) Handelsunternehmen. Die OHG-Gesellschafter führen ihr Unternehmen typischerweise als gleichberechtigte Partner. Allerdings ist diese Art der Rechtsform unter den Neugründungen kaum noch vertreten, da alle Partner ihr privates Vermögen riskieren.

 

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Die beliebteste Rechtsform von Gesellschaftsunternehmen ist – vor allem wegen der Haftungsbeschränkung – die GmbH. Zur Gründung wird ein notarieller Gesellschaftsvertrag und die Leistung einer Stammeinlage von mindestens 25.000 Euro sowie die Eintragung im Handelsregister benötigt. Vorteil: Die Haftung der Gesellschaft nur in Höhe der Stammeinlage. Nachteile: komplizierte Gründungs-, Prüfungs- und Publizitätsvorschriften (Buchführung, Bilanzerstellung), sowie die langwierige Gründungs- oder Auflösungsdauer (zwei bis vier Monate).

 

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Für diejenigen, die sich lieber aus der Geschäftsführung heraushalten möchten, ist die Stille Gesellschaft das Richtige. Ausschlaggebend für die Rechtsform ist die des Inhabers. Um den Stillen Gesellschafter zu beteiligen, wird ein Gesellschaftsvertrag geschlossen, nach dem der „Stille“ eine gewisse Einlage erbringen muss. Vorteil ist, dass er lediglich mit seiner Einlage haftet. Nachteil ist allerdings die geringe Kompetenz, über die marktpolitische Richtung der Gesellschaft mitzubestimmen. Gläubiger des Unternehmens betrachten den Stillen lediglich als Darlehensgeber.

 

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Die AG ist eine Gesellschaftsform, die für das Handwerk kaum attraktiv ist, da der formelle Gründungsaufwand sehr hoch ist (z.B. Gründungskapital von 50.000 Euro, langwierige und mit hohen Kosten verbundene Gründung, das Erfordernis der Bildung von Vorstand, Aufsichtsrat und Aktionärsversammlung). Trotz alledem ist die Haftung der Gesellschafter ausgeschlossen und die der Gesellschaft nur auf die Höhe des vorhandenen Vermögens beschränkt. Zudem ist eine erleichterte Kapitalbeschaffung möglich.

 

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Da die AG im Gegensatz zur GmbH bei Banken und Lieferanten ein weitaus besseres Renommee hat, schuf der Gesetzgeber eine kleinere Form der Aktiengesellschaft, um auch den mittelständischen Unternehmen die Vorteile einer AG zu ermöglichen. Es genügt ein Aktionär, um eine kleine AG zu gründen. Wie bei der AG ist eine Einlage von 50.000 Euro zu leisten.

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Eine Art Zwitterstellung aus oHG und GmbH ist die KG. Die Gründung ist schon mit zwei Gesellschaftern möglich, einem Komplementär (Vollhafter) und einem Kommanditisten. Letzterer ist von der Geschäftsführung ausgeschlossen und haftet dafür auch nur mit seiner Einlage. Der Komplementär führt die Geschäfte (regelmäßig) allein, haftet allerdings persönlich mit seinem gesamten Vermögen.

 

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Um eine Mischform aus GmbH und KG handelt es sich bei der GmbH & Co. KG. Hier handelt es sich um eine KG, deren Komplementär (Vollhafter) eine GmbH ist. Dies hat den Vorteil, dass deren Gesellschafter nicht persönlich, sondern nur mit der GmbH-Einlage haften. Mithin riskiert niemand mehr sein privates Vermögen und die niedrigen Steuersätze der KG kann sich das Unternehmen durch besagte Kombination zunutze machen. Nachteilig ist der hohe Aufwand zweier Unternehmensgründungen und Jahresabschlüsse.

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Sonderform der GmbH, auch „Kleine GmbH“ genannt. Gründungsverfahren wie bei der GmbH, jedoch max. 3 Gesellschafter. Stammkapital ist nicht vorgeschrieben, so dass theoretisch auch ein Stammkapital von einem Euro genügt. Empfehlenswert sind jedoch mind. 2.500 Euro. Für die Erstellung des Gesellschaftsvertrages steht ein Muster-Gründungsprotokoll zur Verfügung.

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online_seit 07. November 2012, aktualisiert_am 27. April 2016

 
 

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