
Die Wirtschaft in Mitteldeutschland bleibt unter Druck. Die gemeinsame Konjunkturumfrage der Handwerkskammern sowie der Industrie- und Handelskammern aus Leipzig und Halle (Saale) zeigt: Die Geschäftslage trübt sich ein, die Erwartungen bleiben pessimistisch, Investitionen und Beschäftigungspläne werden zurückgefahren. Der Konjunkturklima-Index ist deutlich gesunken und liegt auf dem niedrigsten Stand seit dem Tiefpunkt der Energiepreiskrise im Herbst 2022.
Zusätzliche Belastungen entstehen durch internationale Unsicherheiten, steigende Energie- und Kraftstoffpreise sowie angespannte Lieferketten. „Diese Kombination verschärft die ohnehin bestehenden strukturellen Standortprobleme erheblich“, sagt Sascha Gläßer, Präsident der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau. Besonders betroffen sind Industrie, Bau, Handel, Verkehr und Logistik sowie baunahe Handwerke und Handwerke für den gewerblichen Bedarf.
Konsequente Verbesserung der Rahmenbedingungen gefordert
Die Kammern fordern deshalb rasche wirtschaftspolitische Impulse für mehr Wettbewerbsfähigkeit, Investitionen und Wachstum. Im Mittelpunkt steht die konsequente Verbesserung der Rahmenbedingungen: eine sichere und bezahlbare Energieversorgung, weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungen, Reformen der sozialen Sicherungssysteme sowie eine Stärkung von Bildung, Ausbildung und Fachkräftesicherung.
Stabile und solide finanzierte Sozialsysteme sind die Grundlage für wirtschaftliche Entwicklung und Vertrauen in die Zukunft.
Sascha Gläßer, Präsident IHK Halle-Dessau
„Eine erfolgreiche Energiepolitik muss Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz zusammenbringen“, betont Gläßer. Nötig seien mehr Technologieoffenheit, ein größeres Energieangebot sowie ein schnellerer Ausbau von Netzen, Speichern und Wasserstoffinfrastruktur. Mit Blick auf die sozialen Sicherungssysteme ergänzt er: „Stabile und solide finanzierte Sozialsysteme sind die Grundlage für wirtschaftliche Entwicklung und Vertrauen in die Zukunft.“
Matthias Forßbohm, Präsident der Handwerkskammer zu Leipzig, sieht vor allem beim Nachwuchs dringenden Handlungsbedarf: „Investitionen in Bildung sind Investitionen in unsere wirtschaftliche Zukunft.“ Dazu gehörten bessere frühkindliche Bildung, modernere Lehrerausbildung, besser ausgestattete Schulen und eine klare Stärkung der dualen Ausbildung. Auch der Wohnungsbau müsse schneller und einfacher werden. „Bezahlbarer Wohnraum ist ein entscheidender Standortfaktor“, so Forßbohm. Er fordert schnellere Verfahren, weniger Bürokratie und vereinfachte Baustandards.