Kommunale Wärmeplanung Was Handwerksbetriebe jetzt wissen müssen

Olaf Schneider, Geschäftsführer der EVH GmbH, erklärt, wie sich Unternehmen in Sachsen-Anhalt fit für die Zukunft machen. Ein Interview. 

Herr Schneider, was bedeutet Kommunale Wärmeplanung?

Die Kommunale Wärmeplanung, kurz KWP, zeigt auf, wie die Wärmeversorgung aller Gebäude ohne fossile Energieträger entwickelt werden könnte. Denn im Jahr 2045 werden nach politischem Willen kein Erdgas oder Heizöl mehr zur Verfügung stehen. In großen Städten wie Halle muss dieser Plan für die Kommunale Wärmeplanung bis Juni 2026 stehen, kleinere Kommunen haben bis 2028 Zeit.

Als Stadtwerk analysieren wir im Auftrag der Stadt Halle Saale gebäudescharf, wie aktuell geheizt wird, und prüfen, wo erneuerbare Energiequellen wie genutzt werden können. Auf dieser Basis wird die notwendige Infrastruktur entwickelt. Das übergeordnete Ziel ist die frühzeitige Planungssicherheit für Betriebe und Eigentümer. In Halle arbeiten wir dafür sehr eng mit der Energie-Initiative Halle Saale zusammen – einem Bündnis aus Stadt, großen Wärmekunden und Wohnungsunternehmen.

Wärmepumpe
Ab 2045 ist der Betrieb von Heizungen, die ausschließlich auf fossilen Brennstoffen basieren, gesetzlich nicht mehr zulässig. Die Wärmepumpe ist seit einigen Jahren ein großes Thema und könnte für einige die neue Variante des Heizens werden.    Foto: adobe-stock/ Tomasz Zajda

Welche Auswirkungen hat die KWP konkret auf die Handwerker?

Von der KWP wird jeder gasversorgte Betrieb betroffen sein. Und das sind die meisten. Bis 2045 benötigen alle Gasverbraucher eine alternative Energiequelle für die Wärmeversorgung und für die Produktionsprozesse. Das hat direkte Folgen für Investitionen: Muss ich umrüsten? Welche Technik ist künftig erlaubt bzw. verfügbar? Die Wärmeplanung gibt bei diesen Fragen kurz- und mittelfristig Orientierung. Langfristig – also für die Zeit nach 2035 – sind viele Fragen, z.B. hinsichtlich Wasserstoff, noch offen.

Wann ist es sinnvoll, sich damit zu beschäftigen?

Am besten sofort, denn auch wenn der Umstieg über einen Zeitraum von 20 Jahren bis 2045 schrittweise erfolgt, sollten Investitionsentscheidungen heute am Wärmeplan ausgerichtet sein. In Halle veröffentlichen wir den kommunalen Wärmeplan Ende September 2025, anschließend wird der Plan in den städtischen Gremien diskutiert. Wer sein Heizungssystem wechselt, sollte den kommunalen Wärmeplan berücksichtigen. Bestehende Heizungen genießen aber Bestandsschutz, bis sie irreparabel defekt sind.

Die Alternativen hängen vom Betrieb und dessen Lage im Stadtgebiet ab.

Olaf Schneider

Was kommt nach dem Erdgas? Worauf müssen sich Handwerksbetriebe im Rahmen der Wärmewende einstellen?

Die Alternativen hängen vom Betrieb und dessen Lage im Stadtgebiet ab: Liegt der Betrieb im Fernwärmegebiet und wird die Wärme zu Heizzwecken genutzt, ist Fernwärme die vorteilhafte Technologie. Benötigt der Betrieb aber Erdgas für Produktionsprozesse oder liegt er außerhalb des Wärmenetzes, benötigt er eine alternative Lösung. Für das Heizen wird das häufig die Wärmepumpe sein, für die Produktion sind branchenspezifische Lösungen gefragt. 

Wo finden Handwerker Hilfe und Fördermittel?

Für alle Fragen der Umsetzung der Wärmewende verstehen sich die Stadtwerke als zentraler Ansprechpartner. Neben einem Wärmeatlas zur Auskunft der passenden Wärmeversorgung bieten sie eine um-fangreiche Werkzeugkiste zur Erstinformation. Das reicht vom Gebäude-Check zur Prüfung der Effizienz des eigenen Gebäudes bis zur Fördermittelauskunft.

Termin:

Informationen rund um die Wärmewende in
Halle, 25. September 2025, 17.30 Uhr, Händel-Halle, Einlass ab 17 Uhr
Themen: Kommunaler Wärmeplan für Halle, Wissen für Hauseigentümer (Heizungs- und Gebäude-Check, Förder-Finder, Gebäude – und Wärmeatlas etc.)

Olaf Schneider, Geschäftsführer der EVH GmbH.
Olaf Schneider, Geschäftsführer der EVH GmbH. Foto: Stadtwerke Halle GmbH