Fahnenweihe an historischer Stätte
Zehn Handwerksfahnen schmückten an einem sonnigen Samstag im April die lichtdurchflutete Halle der Schlosskirche Wittenberg. Alle Kirchenbänke waren besetzt, zahlreiche Handwerker nahmen in traditioneller Kluft an dem besonderen Gottesdienst teil. Drei weitere Fahnen wurden feierlich, verdeckt und gesenkt zum Altar gebracht. Anlass war eine Fahnenweihe an historischer Stätte – vermutlich erstmals seit rund einhundert Jahren.
Zwei Handwerksinnungen sowie die Kreishandwerkerschaft Landkreis Wittenberg hatten Zeit und finanzielle Mittel in neue Fahnen investiert, um die Handwerkstradition sichtbar zu pflegen. Kreishandwerksmeister Enrico Reinecke, Bauunternehmer aus der Lutherstadt Wittenberg und seit vier Jahren Vorsitzender der regionalen Handwerksvertretung, erläuterte die Bedeutung der Fahnen: Sie stünden für die Einigkeit des Handwerks, stärkten die Identität und symbolisierten die Bereitschaft, gemeinsame Ideale zu verfolgen. Dem Vorhaben sei ein längerer Abstimmungsprozess in den Innungen und der Kreishandwerkerschaft vorausgegangen, der letztlich zu einer geschlossenen Unterstützung geführt habe.
Als Schirmherr der Veranstaltung begrüßte der ehemalige Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, Dr. Reiner Haseloff, die Gäste. Er betonte, dass die Fahnen auf einer langen Tradition beruhen, zugleich aber den Willen zeigen, das Handwerk zukunftsorientiert weiterzuentwickeln. Sozialministerin Petra Grimm-Benne hob die Bedeutung des Handwerks als wichtigen Arbeitgeber und Ausbilder hervor und bezeichnete die neuen Fahnen als sichtbares Zeichen des Zukunftswillens.
Festzug und Empfang im Rathaus
Kreishandwerks- und Bauobermeister Enrico Reinecke sowie Kfz-Obermeister René Peper stellten die neuen Fahnen vor. Gefertigt wurden sie von einem Unternehmen aus Plauen. Die Fahnen zeigen typische Innungs- und Handwerkssymbole und stehen für die Vielfalt der Gewerke.
Die Weihe der drei Fahnen erfolgte durch Pfarrerin Birgit Neumann-Becker (evangelisch) und Pfarrer Michael Poschlod (katholisch). Den Abschluss bildete das Schmücken der Fahnen mit Fahnenbändern. Diese stammten unter anderem als Patenbänder von der Kreishandwerkerschaft Teltow-Fläming sowie als Erinnerungsbänder, darunter auch von der Handwerkskammer Halle.
Der Gottesdienst endete mit dem feierlichen Auszug der Festgemeinde durch die berühmte Thesentür der Schlosskirche. Begleitet vom Wittenberger Fanfarenzug zog ein Festzug mit mehr als 300 Handwerkern zum historischen Rathaus der Lutherstadt. Dort begrüßte Oberbürgermeister Torsten Zugehör die neuen Fahnen, die zur Vorstellung am Rathaus aufgezogen wurden.
Beim anschließenden Handwerkertreff auf dem Zunfthof der Stadtkirche zeigte das Handwerk schließlich, dass es nicht nur engagiert arbeitet, sondern auch Traditionen lebt und Feste feiert.










