Beste Hörakustikermeisterin 2025 Ellen Pestel

Ellen Pestel ist beste Hörakustikermeisterin 2025. Schon im Kindesalter entwickelte sie eine Faszination für das Thema Hörakustik. Heute arbeitet sie in dem Unternehmen, wo sie selbst ihr erstes Hörgerät erhalten hat. Wie sie die Ausbildungszeit erlebt hat und warum sie sich für den Meister entschieden hat, erzählt sie im Interview.

Die Hörakustikermeisterin Ellen Pestel blickt in die Kamera. Sie steht vor einem warmen, orangenen Hintergrund und trägt eine hellblaue Bluse sowie eine Kette mit rundem Anhänger auf dem ein Baum zu sehen ist.
HWK Halle

Frau Pestel, was fasziniert Sie an Ihrem Beruf?

Wir geben unseren Kunden ein Stück Lebensqualität zurück. Man lernt auch das Hören an sich noch mehr zu schätzen und ist dafür sensibilisiert, dass es ein Geschenk ist, wenn man gut hören und verstehen kann. Das meinen Kunden zurückzugeben, ist sehr schön.

Wie sind Sie denn auf den Beruf des Hörakustikers aufmerksam geworden?

In meiner Grundschule gab es zwei Kinder mit Hörgeräten und Cochlea-Implantaten. Mich hat fasziniert, dass jemand, der taub ist, unter bestimmten Bedingungen mit einem Cochlea-Implantat wieder hören kann. Daher war der Beruf immer im Hinterkopf. Das Schülerpraktikum habe ich beim Hörakustiker gemacht. Dazu kam, dass ich irgendwann selbst Hörgeräte brauchte und noch mehr mit dem Beruf in Kontakt kam. So ist der Berufswunsch immer mehr gereift. Und: Ich hatte ein greifbares Bild vor Augen, was man nach der Ausbildung macht. Bei einem Studium weiß man noch nicht, wie später der Arbeitsalltag aussieht.

Wir geben unseren Kunden ein Stück Lebensqualität zurück.

Ellen Pestel

Wie empfanden Sie Ihre Lehrzeit?

Die Lehrzeit war sehr schön, interessant und intensiv, weil es ein ganz anderer Alltag als jener in der Schule war. Ich hatte eine 39-Stunden-Woche und war durch die Fahrtstrecke oft von früh bis spät unterwegs. Die Ausbildungszeit habe ich als sehr bereichernd empfunden, besonders den Blockunterricht, denn für die Berufsschule war ich regelmäßig für vier Wochen in Lübeck. Das war für mich eine gute Mischung: Ich musste nicht komplett von zuhause weggehen, habe aber mal etwas Neues gesehen und bin aus dem gewohnten Umfeld rausgekommen.

Was haben Sie nach der Ausbildung gemacht?

Ich habe den Betrieb gewechselt, denn ich interessiere mich sehr für die Pädakustik, also die Versorgung von Kindern mit Hörgeräten. Ich arbeite nun bei dem Unternehmen, bei dem ich selbst als Kind meine Hörgeräte erhalten habe.

Sie haben sich dafür entschieden, ihren Meister zu machen. Warum?

Die Entscheidung ist erst gereift. Nach dem Betriebswechsel musste ich mich erstmal in das Arbeitsumfeld einfinden. Ich kam von einer Unternehmenskette mit vielen Filialen zu einem Betrieb mit damals zwei Filialen. Dazu kam, dass ich immer großen Respekt vor der praktischen Prüfung hatte. Aber mit der Zeit reifte die Entscheidung, den Meister zu absolvieren. Es war auch ein guter Zeitpunkt, um nicht aus dem Lernrhythmus rauszukommen.

Wenn Sie die Meisterausbildung mit drei Wörtern beschreiben: Welche wären das?

Interessant, intensiv, anstrengend.

Warum anstrengend? Haben Sie die Meisterausbildung nebenberuflich absolviert?

Ja. Wenn ich Kurse in der Woche hatte, wurde ich freigestellt. Aber ansonsten habe ich 35 Stunden gearbeitet.

Wie haben Sie denn alles – Arbeit und Meisterausbildung – gut unter einen Hut bringen können?

Das kam auf die Phase der Meisterausbildung und meine Arbeitszeiten an, ob von 8 bis 18 Uhr oder nur bis 16 Uhr oder ob ich später angefangen habe:  Manchmal habe ich vor und manchmal nach der Arbeit gelernt oder etwas nachgearbeitet. Ich bin mal früher aufgestanden oder später ins Bett gegangen, um den Lernstoff zu schaffen. Manchmal hatten wir abends, nach einem normalen Arbeitstag, noch eine Onlinelehrveranstaltung. Dadurch dass der Kurs generell teilweise online stattgefunden hat, war der Reiseaufwand nach Lübeck geringer, das war gut. Um handwerkliche Fertigkeiten zu üben, war ich auch mal am Wochenende in der Werkstatt und habe gefräst oder Ohrabformungen geübt.

Die Hörakustikermeisterin Ellen Pestel überprüft den Sitz eines Hörgeräts am Ohr einer Kundin.
HWK Halle

Was hat sich beruflich seit der Meisterausbildung bei Ihnen getan?

Ich möchte in der Pädakustik arbeiten: Mit dem Meisterabschluss hat man mehr Berechtigungen, was man machen darf. Zum Beispiel darf ich Ohrabformungen bei Kindern nehmen. Ich muss jetzt nicht mehr meine Chefin dafür fragen, sondern mache es selbst. Um den gesamten Bereich der Pädakustik kennenzulernen, hospitiere ich und habe dazu auch eine Weiterbildung begonnen, um mehr Hintergrundwissen für die Kinderversorgung zu bekommen.

Nur zum Verständnis: Ist die Pädakustik Teil der Meisterausbildung?

Ja, aber nur zum geringen Teil und nur in der Theorie. Da ist es für mich selbstverständlich, dass ich mich nach etwa vier Lerneinheiten à 90 Minuten nicht sicher damit fühle Kinder zu versorgen. Aus diesem Grund ist es schön, dass ich im Geschäft durch das Hospitieren viel lernen kann.

Um kurz zu rekapitulieren: Sie hatten schon als Kind viele Berührungspunkte zur Hörakustik und möchten nun Kindern mit Hörgeräten sorgen?

Genau. Es ist der Plan, dass ich nun auch häufiger Kinder versorge. Ich mag die Mischung der Altersgruppen sehr. Ich arbeite mit älteren, aber auch jungen Menschen und nun vermehrt mit Kindern zusammen.

Was macht Ihrer Meinung nach eine gute Handwerksmeisterin bzw. einen guten Handwerksmeister aus?

Ganz allgemein für das Handwerk gesehen: Wichtig ist die Ausbildung, also den Nachwuchs gut zu fördern. Gute Meister sollten verantwortungsbewusst in jederlei Hinsicht sein: für das eigene Arbeiten und natürlich gegenüber den Mitarbeitern aber auch den Kunden.

Wichtig ist die Ausbildung, also den Nachwuchs gut zu fördern.

Ellen Pestel

Ein Blick in die Glaskugel: Wo sehen Sie sich in zehn Jahren – beruflich und privat?

Ich hoffe, dass ich dann Kinder selbstständig versorgen kann und mich vor allem sicher dabei fühle, auch wenn die Kinder noch sehr klein sind. Ich kann mir vorstellen, perspektivisch auch im Bereich der Cochlea-Implantate tätig zu werden. Vielleicht ist bis dahin auch die Idee gereift, selbstständig einen Betrieb zu leiten. Privat gesehen würde ich mich über ein glückliches Familienleben freuen und hätte gern selbst Nachwuchs.