
Im Rahmen ihrer Ausbildung zum Land- und Baumaschinenmechatroniker absolvieren Ivo Wernicke und Kim Heidemann die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung (ÜLU) im Bildungs- und Technologiezentrum in Halle-Osendorf. Beide sind im vierten Lehrjahr, im Januar stehen die Gesellenprüfungen an. Im ÜLU-Kurs von Ausbilder Sven Wangemann beschäftigen sie sich derzeit mit Datenübertragungssystemen in Land- und Baumaschinen. Sie führen eine Fehlersuche direkt an einem John Deere 4R Kompakttraktor durch, einer der Neuanschaffungen im Bereich der LBM-Technik aus dem vergangenen Jahr.
„Es ist schön, dass wir jetzt an solchen Maschinen arbeiten können“, erzählt LBM-Azubi Ivo Wernicke. „Das ist schon ein Unterschied im Vergleich zu einer Simulation.“ In früheren Schulungssituationen konnte vieles nur vergleichbar oder vereinfacht dargestellt werden. Kim Heidemann ergänzt: „Es ist jetzt deutlich praxisbezogener für unsere Berufsgruppe. Vorher haben wir viel mit Kfz-Technik gearbeitet. Hier lernen wir auch Dinge, die wir im Ausbildungsbetrieb sonst kaum nutzen, zum Beispiel die Arbeit mit ISO-Bus-Signalen über das Oszilloskop. Das machen wir in der Firma eigentlich nicht.“
Gerade Auszubildende in den höheren Lehrjahren haben dabei einen direkten Vergleich zwischen der früheren Ausbildungsqualität und der ÜLU mit neuer Technik. „Wenn man im Land- und Baumaschinenmechatroniker-Handwerk seinen Beruf erlernt, möchte man auch in der ÜLU an den entsprechenden Fahrzeugen und Maschinen arbeiten“, betont Ausbilder Sven Wangemann, selbst LBM-Mechatroniker und Meister der Landtechnik. „Dafür ist die neue Technik grundlegend und essenziell. Die Teilnehmer können hier praxisnah und berufsgerecht ihre Lerninhalte erarbeiten und sich mit der Technik identifizieren. Das motiviert sie.“
Auch im ÜLU-Kurs zu Kraftübertragungs- und Fahrwerktechnik von Ausbilder Frank Hildebrandt erweitern neue Maschinen die Ausbildungsmöglichkeiten. Dort kommt unter anderem ein Kubota-Bagger als zusätzliches Fahrzeug zum Einsatz. „Die Teilnehmer können hier sehr praxisnah an der Technik arbeiten. Das ist effizienter und motivierender, weil wir direkt an ihre Ausbildung anknüpfen können“, sagt Frank Hildebrandt. „Im Betrieb sind die Abläufe oft sehr wiederkehrend. Nicht jeder Lehrling hat dort dieselben Möglichkeiten. Hier haben wir mehr Flexibilität und können individueller auf die jeweiligen Voraussetzungen eingehen.“

Insgesamt wurden vier Fahrzeuge sowie zwei Anbaugeräte für die LBM-Ausbildung neu angeschafft. Drei Fahrzeuge und ein Anbaugerät sind bereits im Einsatz. Neben den genannten Maschinen gehören dazu auch ein E-Radlader, der in der ÜLU zu Hochvoltsystemen in der LBM-Technik genutzt wird, außerdem ein Streuer vom Typ ZA-TS, wie er vor allem zur Ausbringung von Düngemitteln eingesetzt wird. Ein weiterer Traktor sowie eine Feldspritze vom Typ UF 901 befinden sich noch in der Umbauphase. Die Fahrzeuge sind serienmäßige Maschinen, die für Ausbildungszwecke speziell vorbereitet werden müssen. „Wir brauchen Messstellen an Bauteilen, die im normalen Praxisbetrieb so nicht vorgesehen sind“, erklärt Stefan Wetzel, Fachbereichsleiter für Kfz- und LBM-Technik. „Außerdem müssen gezielt Fehler eingebaut werden. Ziel ist es, dass die Teilnehmer nicht nur funktionierende Technik kennenlernen, sondern auch lernen, Fehler zu messen, zu analysieren und zu beheben.“ Fehlerfreie Fahrzeuge wären da nicht zielführend.
Mit der neuen Technik müssen auch die Ausbildungskonzepte überarbeitet, die Inhalte angepasst werden. „Die ÜLU-Lehrgänge gab es zwar schon vorher, aber die Inhalte orientierten sich an der damaligen technischen Ausstattung“, erklärt Stefan Wetzel. „Jetzt können wir mit aktueller Technik arbeiten und deutlich vielfältigere und realistischere Arbeitsaufgaben umsetzen.“ Die Ausbildung ist dadurch realitätsnäher und umfangreicher geworden. Alle relevanten Systeme wie Hydraulik, Elektronik und Anbaugeräte werden berücksichtigt. „Wir haben mit der neuen Technik jetzt die Voraussetzungen geschaffen, um die Ausbildung zukunftsorientiert weiterzuentwickeln“, sagt Stefan Wetzel. Perspektivisch werde auch über weiterführende Qualifikationen wie den Systemtechniker für Land- und Baumaschinentechnik nachgedacht, der langfristig eine Aufstiegsstruktur bis hin zur Meisterqualifikation ermöglichen könne. Mit dem Neubau des Bildungszentrums würden dafür auch die räumlichen Voraussetzungen geschaffen.
Eine entscheidende Rolle spielt dabei die enge Zusammenarbeit mit den Ausbildungsbetrieben. „Die Unterstützung durch die Betriebe ist außergewöhnlich hoch“, betont Stefan Wetzel. „Die Firmen bieten uns aktiv ihre Unterstützung an – aus echtem Engagement für die Ausbildung. Diese Zusammenarbeit ist bemerkenswert und verdient ein großes Lob.“
Die Förderung der überbetrieblichen Lehrgänge erfolgt durch den Europäischen Sozialfonds Plus Sachsen-Anhalt (2021–2027) sowie durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.