Bester Meister 2024 Christoph Gessert

Christoph Gessert ist der Beste der besten Jungmeister 2024. Der 41-jährige ist Gebäudereinigermeister aus Sprötau in Thüringen.

Christoph Gessert beim Entfernen eines Graffiti.
HWKHlle

Was war Ihr Traumberuf als Kind?

Als Kind wollte ich ursprünglich Feuerwehrmann werden, später dann als Jugendlicher – damals hieß der Beruf noch so – Klempner.

Warum haben Sie sich dann doch für den Beruf Gebäudereiniger entschieden?

Das war eher Zufall. Als ich mich um einen Ausbildungsplatz beworben hatte, waren die Verhältnisse andere als heute. Damals konnten sich Arbeitgeber ihre Auszubildenden aussuchen – es gab weniger Ausbildungsplätze als Bewerber. Ich hatte mich als Klempner beworben, aber entweder hatten die Betriebe schon jemanden, meldeten sich nicht zurück oder es gab Absagen. Es gab einen großen Zulauf von Menschen, die eine Ausbildung machen wollten. Über eine Zeitungsannonce bin ich auf den Beruf Gebäudereiniger aufmerksam geworden. Ich habe mich beworben, und es hat funktioniert.

Was macht Ihnen am Beruf Spaß?

Ich muss da kurz ausholen, um die Frage zu beantworten. Während meiner Ausbildung hatte ich überlegt, den Beruf nicht mehr fortzuführen, und dafür gab es einen Grund: Die Anerkennung in der Gesellschaft für Gebäudereiniger ist ernüchternd niedrig für das, was man jeden Tag leistet. Nach meiner Ausbildung habe ich mich weiterentwickelt und mich auf die Schwerpunkte wie Glas- und Fassadenreinigung konzentriert, die mir viel Spaß machen.

Für mich birgt die Wissensvermittlung und ihre praktische Umsetzung eine große Genugtuung und Wertschätzung.

Christoph Gessert

Hier konnte ich mein Wissen aus der Ausbildung an meine damaligen Kollegen auch weitergeben, das hat mir schon immer Spaß gemacht. 2009 habe ich den Betrieb gewechselt und als Teamleiter auch eine Leitungsposition übernommen. Dadurch habe ich mich immer mehr mit dem Beruf identifiziert. Wissen vermitteln – das konnte ich auch als Teamleiter. Für mich birgt die Wissensvermittlung und ihre praktische Umsetzung eine große Genugtuung und Wertschätzung. Aus diesem Grund bin ich auch nach über 25 Jahren immer noch in der Gebäudereinigung als betriebliche Führungskraft tätig.

Warum haben Sie sich für die Meisterausbildung entschieden?

Das war für mich eine persönliche Weiterentwicklung und ich möchte auch ein Vorbild für meine Kinder sein. Meine Töchter besuchen beide die Schule, eine davon geht bereits aufs Gymnasium, worauf ich sehr stolz bin! Sie hat sehr gute Noten, da ist sie besser als ich in meiner Schulzeit. Dafür habe ich nun nebenberuflich über viele Jahre lang den Meister gemacht und sehr gut abgeschlossen. Ich wollte es richtig machen, und dafür habe ich auch viel getan. Für mich war die Meisterausbildung auch wichtig, da ich ein großes Team leite. Zudem waren meine Kollegen Gebäudereinigermeister, mit denen ich zwar auf Augenhöhe kommuniziert habe, selbst aber noch nicht den Meister hatte. Als Führungskraft habe ich auch eine Verantwortung gegenüber meinen Mitarbeitern und kann nun besser und vertiefend mein Wissen teilen. Ich war schon immer in der Ausbilderfunktion, daher wollte ich auch den Meister machen.

HWKHalle

Welche Herausforderungen mussten Sie in der Zeit der Meisterausbildung überwinden?

Die größte Herausforderung war, alles unter einen Hut zu bringen: Meisterausbildung, mein Job und mein Privatleben. Ich wollte meinen Job genauso gut weitermachen und trotz der Weiterbildung für meine Familie da sein.

Wie haben Sie es geschafft, das alles zu meistern?

Die Familie hat mir Rückhalt gegeben, sie ist für mich das Wichtigste. Wir machen alles zusammen. Unser Zuhause ist mein Ruhepol. Und: Ich habe durch eine gute Vorbereitung und Aufgabenverteilung alles geschafft. Ich musste auf Arbeit Aufgaben abgeben, die ich sonst nie abgegeben hätte. Ich habe mich gut abgesprochen und dann auch zu anderen Zeiten gearbeitet. Auch während der Meisterschule habe ich in den Pausen gearbeitet und E-Mails beantwortet.

Was zeichnet Ihrer Meinung nach einen herausragenden Meister aus?

Grundsätzlich sollte jeder Handwerksmeister seinen Job qualitativ und quantitativ sehr gut verrichten und Kunden, aber auch Mitarbeiter und Kollegen auf Augenhöhe beraten. Er sollte sein Wissen regelmäßig ausbauen und sich belesen. Und vor allen Dingen sollte er im Beruf sein Handwerk würdig präsentieren, denn es ist nicht nur bei den Gebäudereinigern so: Wir haben immer weniger Menschen, die eine Meisterausbildung machen. Was macht mich als Handwerker aus und wie kann ich das Handwerk am besten präsentieren? Das sollte ein herausragender Meister wissen und vermitteln.

Haben Sie eine Idee, wie man das Image des Gebäudereiniger-Handwerk verbessern könnte?

Tue Gutes und rede drüber. Im Allgemeinen ist es auch so, dass Menschen eher darüber erzählen, was ihnen nicht gefällt, als darüber, was gut läuft. Die positiven Dinge sollten nach außen getragen werden. Aber auch die Vergütung muss gerecht sein. Um sich von anderen Unternehmen abzusetzen, sollten Betriebe Instrumente nutzen, um die Mitarbeiterbindung zu erhöhen. Denn wenn Mitarbeiter Unmut fühlen, dann zeigen sie das auch beim Kunden, und das ist schlecht.

Wie bleiben Sie denn in Ihrem Fachgebiet auf dem neuesten Stand?

Ich nutze Fachlektüre, bekomme aber auch durch den Job so viel Input, dass ich auch dadurch mein Wissen vertiefe.

Ein Blick in die Glaskugel: Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Eine schwierige Frage. Vielleicht bin ich noch bei meinem jetzigen Arbeitgeber, vielleicht habe ich da aber auch einen Betrieb übernommen. Beides ist vorstellbar. Ich kann mir auch vorstellen, mich weiterzuentwickeln und als Sachverständiger tätig zu werden.

Wem wollen Sie für die Unterstützung während der Meisterschule danken?

In erster Linie meiner Frau, die sich in der Zeit noch mehr um die Kinder gekümmert hat und alles abgefangen hat. Ich möchte meinem Lehrgangsleiter Reiner Timmke danken, der immer mit Rat zur Seite stand und über ein hohes Fachwissen verfügt. Dadurch sind wir gut durch die Meisterausbildung begleitet worden. Ich möchte auch noch Robert Röhrig nennen, Geschäftsstellenleiter der Landesinnung der Gebäudedienstleister Sachsen-Anhalt, der mir und meinen Mitstreitern immer zur Seite stand.