
Ja, sie war sehr überrascht vom Sieg. Man sieht Yvonne Zaake immer noch die Freude an, wenn sie sich an den Moment erinnert, als sie bei der Verleihungsveranstaltung zum Kulinarischen Stern in der Magdeburger Staatskanzlei aufgerufen wurde. Mit ihrem Produkt namens Entengold belegte die Fleischermeisterin aus Zerbst den ersten Platz in der Kategorie „Fleisch- und Wurstwaren, gereift“. „Ich wurde zwar zur Veranstaltung eingeladen. Aber man weiß natürlich nicht, wer noch alles eine Einladung erhalten hatte, ob alle Bewerber oder nur die Sieger der ersten Plätze“, sagt die 47-Jährige.
Entengold ist ein Schinken mit einem feinen Raucharoma, gewürzt mit Orangen- und Zitronenpfeffer. Etwa ein halbes Jahr tüftelte Yvonne Zaake an der Rezeptur für den Schinken aus Entenbrust, dann war sie zufrieden und bewarb sich mit Entengold um den Kulinarischen Stern. „Wir haben jedes Jahr den Brief und die Aufforderung erhalten, sich am Wettbewerb zu beteiligen. Aber bisher hat die Zeit gefehlt, sich damit zu beschäftigen“, resümiert die Fleischermeisterin.

Mehr Kunden durch Prämierung
Wir haben auch mitgemacht, um bekannter zu werden.
Fleischermeisterin Yvonne Zaake
Seit der Prämierung mit dem Kulinarischen Stern gehört der Schinken mit seinem leckeren Geschmack ins feste Sortiment der Fleischerei. Und seitdem ist Einiges ins Rollen geraten. „Wir haben auch mitgemacht, um bekannter zu werden“, erzählt Yvonne Zaake, die den Familienbetrieb führt. Die Fleischerei Zaake ist in Zerbst in einem alleinstehenden grünen Haus an einer vierspurigen Hauptstraße zu finden. Was leider manchmal fehlt – die Kunden, die zufällig anhalten. Oft würden laut Yvonne Zaake Autofahrer nicht wahrnehmen, dass sich hier eine Fleischerei mit Mittagsangebot verbirgt. Der Plan ging bisher auf: Die Presse berichtete zuhauf, durch einen Fernsehbeitrag stieg enorm das Interesse. „Es brach ein absoluter Hype aus, als über uns der MDR berichtete“, erinnert sich Yvonne Zaake an diesen Sommer.
Ich wollte mein handwerkliches Wissen erweitern – die Fertigkeiten, Spezialitäten und Rezepturen sind regional sehr unterschiedlich.
Fleischermeisterin Yvonne Zaake
Die Fleischerei Zaake gründete ihr Vater Manfred 1997. Genau 16 Jahre später stieg Yvonne Zaake als Chefin mit ein und brachte ihre Expertise mit. Denn nach der Lehre arbeitete sie in verschiedenen Regionen bundesweit: „Ich wollte mein handwerkliches Wissen erweitern – die Fertigkeiten, Spezialitäten und Rezepturen sind regional sehr unterschiedlich“. Yvonne Zaake verschlug es in dieser Zeit etwa nach Norddeutschland, Berlin, ins Rheingebiet und nach Bayern, wo sie auch ihren Meistertitel erwarb. Ihre gesammelten Erfahrungen bringt die 47-Jährige in den Betrieb ein, beispielsweise gibt es jährlich eine bayrische Woche in der Fleischerei.
Derzeit arbeiten drei Mitarbeiter in der Fleischerei Zaake, dazu unterstützt Annemarie Zaake tatkräftig – die 73-jährige Mutter der Inhaberin und gute Seele des Betriebes. Auch wenn das gesamte Team mit Leidenschaft am Werk ist, teilt die Fleischermeisterin die Sorgen vieler Handwerksbetriebe. Staatliche Regulierungen sind dermaßen angestiegen, dass eine ganze Bürokraft diese bewältigen könnte, die der Betrieb aber nicht hat. Auch die Idee eines Onlineshops für bestimmte Produkte wurde begraben – Vorgaben der EU würden einen Umbau des Betriebsgeländes erfordern. Die Päckchen der Unternehmer werden nicht kleiner.

Die Konkurrenz gegenüber Supermarktketten und der Fleischindustrie ist für den Familienbetrieb deutlich zu spüren, doch die Fleischerei versucht mit den angebotenen Spezialitäten, zu denen auch Zerbster Klassiker wie Brägen- oder Bollenwurst gehört, ihre Nische zu finden. „Wir gehen mit der Zeit und bieten nicht nur einen Mittagstisch an, sondern bereiten küchenfertig Gerichte für zuhause vor“, so Yvonne Zaake. Als das Mixgetränk Hugo neu und beliebt war, griff die Fleischerei den Trend auf und bot Grillgut mit Holundergeschmack an. Ein Handwerksbetrieb, der – nicht nur mit dem prämierten Entengold – gern ausprobiert.