
Präsident Thomas Keindorf von der gastgebenden Handwerkskammer Halle lud zunächst zu einem Austausch über aktuelle politische Entwicklungen in Sachsen-Anhalt ein. Im Gespräch thematisierten die Präsidenten regionale und internationale Herausforderungen ebenso wie die Prognosen zur künftigen Entwicklung der Unternehmenszahlen. Die Diskussion mündete in einer gemeinsamen Erklärung der Kammerrepräsentanten, die Politik und Gesellschaft auffordert, das Handwerk als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu verstehen (Erklärung siehe Anhang).
„Die Herausforderungen für das Handwerk sind immens. Unser Austausch dient auch dazu, mit einer Stimme zu sprechen“, so Thomas Keindorf.
Gemeinsame Erklärung:
Das ostdeutsche Handwerk ist mehr als ein Wirtschaftsfaktor. Es sichert Versorgung, Ausbildung, Arbeitsplätze und gesellschaftlichen Zusammenhalt in Stadt und Land. Damit diese Leistung auch künftig erbracht werden kann, braucht es verlässliche politische Rahmenbedingungen, eine starke berufliche Bildung und eine klare Anerkennung des Handwerks als gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
In den 13 Kammerbezirken sind 168.000 Unternehmen tätig. Diese erwirtschaften einen Umsatz von 100 Milliarden Euro und beschäftigen 850.000 Menschen. Als Ausbilder, Arbeitgeber und Steuerzahler sind die Handwerksunternehmen ein wichtiger Bestandteil der regionalen Wirtschaft. Handwerker gibt es faktisch in allen Gemeinden und Orten in unserem Land. Neben der ökonomischen Bedeutung ist die Unterstützung der vorwiegend kleinen und mittleren Betriebe für das Leben in ihrem Umfeld nicht zu unterschätzen. Im Sport, in lokalen Vereinen, in der Kultur oder auch in der Lokalpolitik engagieren sich Handwerker für ihre Mitmenschen.
Zugleich stehen die Betriebe vor riesigen Herausforderungen. Diese ergeben sich aus globalen, aber auch nationalen oder regionalen Problemstellungen.
Eine der drängendsten Aufgaben des Handwerks ist die Sicherung des eigenen Berufsstandes durch ausreichend Nachwuchs – sowohl in der Ausbildung als auch in der Qualifizierung zum Handwerksmeister. Dafür braucht es verbindliche bildungspolitische Entscheidungen: eine umfassende und verpflichtende Berufsorientierung an allen
Schulformen, ein stabiles Berufsschulnetz sowie ausreichende Unterstützung für Auszubildende, die am Berufsschulstandort übernachten müssen.
Ein starkes Handwerk ist unverzichtbar für Versorgung, Ausbildung und Zusammenhalt in den Regionen. Wer gleichwertige Lebensverhältnisse sichern will, muss das Handwerk stärken – politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich.
Die Präsidentinnen und Präsidenten der ostdeutschen Handwerkskammern: Chemnitz, Cottbus, Dresden, Erfurt, Frankfurt (Oder) Region Ostbrandenburg, Halle (Saale), zu Leipzig, Magdeburg, Ostmecklenburg-Vorpommern, Ostthüringen, Potsdam, Schwerin, Südthüringen