Beratung Unternehmenskrisen: Erkennen, Handeln, Sanieren

Was sind die Ursachen von Unternehmenskrisen, welche rechtliche Grundlagen und konkrete Handlungsmöglichkeiten gibt es und wie kann die Handwerkskammer unterstützen?

Zwei Personen arbeiten an einem Schreibtisch mit ausgedruckten Diagrammen und Grafiken; daneben liegen ein Taschenrechner, ein Laptop und mehrere Stifte.
Adobe Stock/groviopoto

Krisen in Betrieben entstehen selten plötzlich, sondern entwickeln sich meist schleichend. Deshalb ist es wichtig, frühzeitig gegenzusteuern.

Typische Ursachen von Unternehmenskrisen

In der Beratungspraxis zeigt sich, dass Krisen selten nur eine Ursache haben. Häufig wirken mehrere Faktoren zusammen:

1. Steigende Kosten bei unzureichender Preisanpassung

Viele Betriebe reagieren zu spät auf Kostensteigerungen – insbesondere bei Energie, Material und Personal.

2. Hohe Fixkostenstrukturen

Zu viele Standorte, ineffiziente Prozesse oder überdimensionierte Personalstrukturen können die Rentabilität belasten.

3. Liquiditätsengpässe

Einmalige Ereignisse – etwa hohe Steuernachforderungen – können auch bei stabilen Umsätzen zu akuten Problemen führen.

4. Mangelnde betriebswirtschaftliche Steuerung

Fehlendes Controlling oder unklare Kalkulationen erschweren rechtzeitiges Gegensteuern.

5. Strukturwandel im Markt

Verändertes Kundenverhalten oder zunehmender Wettbewerb durch größere Anbieter.

In unserer Beratungspraxis kommen immer häufiger Anfragen aus den verschiedensten Gewerken von Bauhauptgewerken über Metallbauunternehmen bis zum Lebensmittelhandwerk versuchen wir den Unternehmen in der Krise zu helfen.

Andreas Baer, Diplom-Wirtschaftsjurist und Betriebswirtschaftlicher Berater bei der Handwerkskammer Halle

Praxisbeispiel: Sanierung eines Handwerksbetriebes

Ein Beispiel aus der Beratung von Andreas Baer verdeutlicht, wie eine Krise entstehen und bewältigt werden kann:

Ein mittelständischer Handwerksbetrieb geriet trotz stabiler Umsätze in eine Liquiditätskrise. Gleichzeitig bestanden Bankverbindlichkeiten sowie Verpflichtungen gegenüber Lieferanten und Mitarbeitern.

Die Lösung bestand nicht in einer Einzelmaßnahme, sondern in einem abgestimmten Sanierungskonzept:

  • Preisanpassungen zur Verbesserung der Marge
  • Schließung unrentabler Filialen und Anpassung der Personalstruktur
  • Reduzierung der Energiekosten
  • Akquise neuer Aufträge
  • Verhandlungen mit der Hausbank über eine temporäre Tilgungsaussetzung

Das Ergebnis: Stabilisierung der Liquidität und eine realistische Perspektive für die Fortführung des Unternehmens.

Möglichkeiten der Sanierung

Operative Maßnahmen

  • Anpassung der Preise
  • Reduzierung von Kosten (Personal, Energie, Mieten)

Strategische Maßnahmen

  • Fokussierung auf rentable Geschäftsfelder
  • Kooperationen oder neue Geschäftsmodelle

Finanzwirtschaftliche Maßnahmen

  • Stundungen oder Tilgungsaussetzungen bei Banken
  • Ratenvereinbarungen mit Gläubigern
  • Nutzung von Zwischenfinanzierungen

Wichtig ist dabei ein schlüssiges Gesamtkonzept, das sowohl kurzfristige Liquidität sichert als auch langfristige Perspektiven schafft.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Das Insolvenzrecht bietet nicht nur Risiken, sondern auch Chancen:

  • Frühzeitiges Handeln kann eine Insolvenz vermeiden
  • Im Falle einer Insolvenz bestehen Möglichkeiten zur Sanierung im Verfahren (z. B. Eigenverwaltung)
  • Gläubiger sind häufig bereit, Lösungen mitzutragen, wenn ein belastbares Konzept vorliegt

Entscheidend ist, die eigene Situation realistisch einzuschätzen und rechtzeitig fachliche Unterstützung einzubeziehen.

Konkrete Handlungsempfehlungen für Unternehmer

Wenn sich eine Krise abzeichnet, sollten Betriebe strukturiert vorgehen:

1. Transparenz schaffen

Aktuelle Zahlen (Liquidität, Verbindlichkeiten) erfassen

Kurzfristige Liquiditätsplanung erstellen

2. Ursachen analysieren

Wo entstehen Verluste?

Welche Bereiche sind rentabel?

3. Maßnahmen definieren

Sofortmaßnahmen zur Liquiditätssicherung

Mittelfristige strukturelle Anpassungen

4. Gespräch mit Gläubigern suchen

Banken, Lieferanten und Finanzamt frühzeitig einbinden

Offen und lösungsorientiert kommunizieren

5. Externe Unterstützung nutzen

Betriebsberatung

Steuerberater

ggf. Fachanwälte für Insolvenzrecht

Unterstützung durch die Handwerkskammer

Die Handwerkskammer Halle bietet Betrieben in schwierigen Situationen kostenfreie und vertrauliche Unterstützung an. Dazu gehört:

  • Analyse der wirtschaftlichen Situation
  • Entwicklung von Sanierungsstrategien
  • Begleitung bei Bankgesprächen
  • Unterstützung bei Förderanträgen
  • Vermittlung von Spezialisten

Die Handwerkskammer kooperiert mit dem Sanierungsforum Mitteldeutschland e.V., einem Zusammenschluss sanierungs- und insolvenzrechtlicher Experten. 

Bitte melden Sie sich bei Andreas Baer.

Dipl.-Wirtschaftsjurist Andreas Baer
Betriebswirtschaftlicher Berater
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